So glättest du PLA und PETG 3D-Drucke zu Hause: Ein Einsteiger-Guide

Das Nachbearbeiten von FDM-Drucken zu Hause kann raue, schichtige Teile in glatte, glänzende Ergebnisse verwandeln. Mit Techniken wie sorgfältigem Schleifen, Beschichtungen oder Wärme lässt sich selbst bei PETG- oder PLA-Drucken eine „glasartige“ Oberfläche erreichen. Dieser Guide zeigt praktische, anfängerfreundliche Methoden zum Glätten von PLA- und PETG-3D-Drucken, vergleicht, was funktioniert (und was nicht), und gibt unterwegs Sicherheitstipps sowie Produktideen.

Sicherheit zuerst: Ausrüstung und Arbeitsplatz

Bevor du mit dem Post-Processing startest, hat Sicherheit Priorität. Arbeite immer in einem gut belüfteten Bereich (Fenster öffnen oder Ventilator nutzen) und halte Zündquellen von brennbaren Lösungsmitteln fern. Trage Schutzausrüstung:
chemikalienbeständige Handschuhe, Schutzbrille und mindestens einen Atemschutz gegen organische Dämpfe, wenn du mit Glättungsmitteln oder Epoxid arbeitest.

  • Belüftung & PSA: Gut lüften. Nitril- oder Neoprenhandschuhe, Augenschutz und einen Atemschutz mit Aktivkohle-/Organik-Filterkartuschen für Lösungsmittel oder Epoxid tragen.
  • Brandschutz: Flüssigkeiten wie Aceton, MEK usw. von Funken oder Flammen fernhalten – sie sind hochentzündlich.
  • Staubschutz: Auch Schleifen erzeugt feinen Kunststoffstaub. Bei größeren Teilen eine Staubmaske oder einen Atemschutz verwenden.

Ein aufgeräumter, abgedeckter Arbeitsplatz (Folie oder Karton unter dem Projekt) und gutes Licht helfen zusätzlich, Unfälle und Fehler zu vermeiden.

Schleifen: Der sichere Allrounder

Schleifen ist die einfachste Methode, um PLA oder PETG ohne Chemie zu glätten. Durch das schrittweise Abtragen der äußeren Schicht lassen sich die meisten sichtbaren Linien entfernen. Starte mit einer gröberen Körnung, um Spitzen abzutragen, und wechsle dann zu feinerem Papier, um die Oberfläche zu polieren.

Zum Beispiel kannst du:

  • bei 200–400 Körnung starten, um größere Stufen und Schichtrillen zu entfernen.
  • über 800, 1000 bis 2000 Körnung gehen, um eine glasige Oberfläche zu bekommen.
  • bei feinen Körnungen nass schleifen (mit Wasser), um Verstopfen und Überhitzung zu vermeiden.

Nützliche Tools fürs Schleifen:

  • Schleifpapier-Set: Nass-/Trockenschleifpapier in mehreren Körnungen (z. B. 200–2000).
  • Schleifklotz oder -schwamm: Hält das Papier flach und hilft bei Rundungen.
  • Wasser und Tuch: Fürs Nassschleifen und zum Abwischen zwischen den Körnungen.
  • Polierpaste: Eine feine Kunststoff- oder Autopolitur sorgt am Ende für extra Glanz.

Arbeite geduldig in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen. Danach den Druck gründlich abwischen – er sollte schon deutlich glatter wirken. Für echten Spiegelglanz kannst du mit einem weichen Tuch oder einer Polierscheibe und Polierpaste auf der letzten, sehr feinen Oberfläche nachpolieren. Denk daran: Schleifen trägt Material ab – sehr dünne Details können dadurch minimal kleiner werden.

Chemisches Glätten: Was funktioniert (und was nicht)

Beim chemischen Dampfglätten lösen Lösungsmittel die Oberfläche minimal an, sodass sie „verfließt“. Manche Kunststoffe (z. B. ABS) reagieren sehr gut auf gängige Lösungsmittel – PLA und PETG sind schwieriger. Hier ein schneller Überblick, was sich zu Hause lohnt und was nicht.

Aceton

Für PLA und PETG lieber lassen. Aceton-Dampf funktioniert super bei ABS, aber PLA ist weitgehend resistent. Bei PLA macht Aceton die Oberfläche oft gummiartig und klebrig – das ruiniert das Finish, statt es zu glätten. PETG wird durch Aceton ebenfalls nicht sinnvoll geglättet. Also bitte kein klassisches ABS-Acetonbad für PLA oder PETG.

Ethylacetat

Ethylacetat ist eine deutlich bessere Option für PLA (und manchmal auch PETG). Es steckt in einigen „acetonfreien“ Nagellackentfernern und zitrusbasierten Lösemitteln. Als Dampf kann es PLA-Oberflächen schnell glätten.

Einfache DIY-Dampf-Methode:

  1. Eine kleine Menge Ethylacetat auf Küchenpapier in einen Glas- oder lösungsmittelbeständigen Kunststoffbehälter geben.
  2. Den Druck über dem Papier platzieren oder aufhängen – ohne Kontakt zur Flüssigkeit.
  3. Behälter schließen und ein paar Minuten genau beobachten, wie die Dämpfe die Oberfläche anweichen.
  4. Sobald die Layer-Lines sichtbar „weich“ werden, Behälter öffnen und den Druck vollständig auslüften lassen.

Damit kann man sehr glatte Ergebnisse bekommen – aber nur mit strenger Sicherheit: komplette PSA (Handschuhe, Brille, Atemschutz) und gute Belüftung. Immer zuerst an einem Reststück testen.

MEK, THF & DCM

Methyl-Ethyl-Keton (MEK), Tetrahydrofuran (THF) und Dichlormethan (DCM) können PLA (und PETG) sehr schnell lösen. Sie sind jedoch extrem entzündlich oder toxisch und werden für den normalen Heimgebrauch nicht empfohlen. Das gehört in gut ausgerüstete Werkstätten oder Labore – nicht auf den Küchentisch.

Ätznatron (Natronlauge)

Natriumhydroxid (Natronlauge) in Wasser kann PLA langsam anätzen und Material abtragen. Das kann die Oberfläche über Zeit glätten – ist aber stark ätzend und gefährlich im Handling. Ziehe das nur in Betracht, wenn du Erfahrung damit hast, volle Schutzausrüstung verwendest und draußen oder mit einer geeigneten Absaugung arbeitest.

Für PETG gibt es kein einfaches, sicheres „Wundermittel“ wie Aceton bei ABS. PETG wird in der Praxis eher mit Wärme oder Beschichtungen geglättet als mit DIY-Lösungsmittelbädern. Ethylacetat kann PETG leicht anweichen, der Effekt ist aber deutlich subtiler als bei PLA.

Epoxidharz-Beschichtung (und Primer)

Eine sehr zuverlässige Methode, um Schichtlinien zu verstecken, ist das Beschichten des Drucks mit einem glatten Material. Besonders beliebt ist ein 2K-Epoxidharz zum Aufpinseln. Das Harz fließt in die Rillen, härtet aus und bildet eine harte, klare Schale.

Ein bekanntes Produkt ist Smooth-On XTC-3D, aber viele ähnliche klare Epoxide funktionieren ebenfalls.

  • Epoxidharz-Set: Epoxidharz zum Aufpinseln für 3D-Drucke.
  • Werkzeuge zum Auftragen: Einweg-Mischbecher, Rührstäbchen sowie Schaum- oder Borstenpinsel.
  • Sicherheit: Handschuhe tragen und gut lüften. Ungehärtetes Epoxid kann Haut und Atemwege reizen.

Harz und Härter nach Anleitung mischen (oft 2:1). Dann eine dünne, gleichmäßige Schicht mit dem Pinsel auftragen. Große Tropfen oder „Pfützen“ vermeiden. Meist hast du etwa 10–15 Minuten Verarbeitungszeit, bevor es zäh wird. Luftblasen kannst du mit einer Nadel aufstechen oder die Oberfläche vorsichtig mit einem Föhn auf niedriger Stufe anwärmen.

Die erste Schicht in einem staubfreien Bereich vollständig aushärten lassen. Falls nötig leicht anschleifen und eine zweite dünne Schicht auftragen. Zwei dünne Schichten reichen oft für ein sehr glattes, glänzendes Finish. Du kannst ausgehärtetes Epoxid sogar nass bis 2000+ Körnung schleifen und polieren, um echten Spiegelglanz zu erreichen.

Beachte: Epoxid baut eine kleine Schichtstärke auf (oft unter 1 mm). Für Teile, bei denen Maße kritisch sind, ist das nicht ideal. Nach dem Aushärten ist Epoxid permanent – also Druck vor dem Beschichten gut prüfen.

Primer als Alternative

Wenn du das Modell lackieren willst, sind Sprühprimer oder Kfz-Füllerprimer ebenfalls sehr hilfreich. Nach leichtem Anschleifen:

  1. 2–3 dünne Schichten Kunststoff-/Füllerprimer sprühen.
  2. Jede Schicht trocknen lassen und dann mit feiner Körnung wieder schleifen.
  3. Wiederholen, bis die Schichtlinien größtenteils verschwunden sind.

Primer sind deutlich sicherer als starke Lösungsmittel – trotzdem Maske tragen und gut lüften.

Heißluftföhn und Polieren

Ein Heißluftföhn kann bei manchen Drucken eine schnelle Methode sein, um sichtbare Linien zu reduzieren. Richtig eingesetzt, wird nur die oberste Schicht leicht weich, sodass sie minimal „nachfließt“ und glatter wirkt.

  • PLA: niedrigste Stufe nutzen (ca. 50–70 °C). Föhn ständig bewegen und mindestens 10 cm Abstand halten. PLA verzieht sich schnell bei zu viel Wärme.
  • PETG: mittel-niedrige Stufe (~85 °C, nahe Glasübergang). Gleichmäßig arbeiten und nicht zu lange auf einer Stelle bleiben.

Zu viel Hitze verformt die Geometrie – daher immer zuerst an einem Reststück testen. Heat-Smoothing eignet sich eher für größere, einfache Flächen als für feine Details.

Nach der Hauptmethode (Schleifen, Epoxid, Primer usw.) kann ein finaler Polier-Schritt richtig Glanz bringen. Nutze eine Kunststoffpolitur oder feine Autopolitur mit einem weichen Tuch oder einer Polierscheibe. In kleinen Kreisen reiben, bis die Oberfläche glänzt. Ein abschließender Klarlack (Sprühlack/Lackversiegelung) kann zusätzlich Glanz bringen und die Oberfläche schützen.

Tools für Wärme & Politur

Methoden im Überblick

  • Schleifen ist die sicherste und zugänglichste Methode für PLA und PETG. Es dauert, aber ohne Chemie.
  • Chemischer Dampf mit Ethylacetat kann PLA (und PETG leicht) schnell glätten, wenn du es sehr sicher machst. Aceton funktioniert bei PLA nicht.
  • Epoxid-Beschichtung füllt Linien und erzeugt ein glänzendes Finish – ideal für Display-Modelle.
  • Primer/Sprays sind ein guter Mittelweg: einfach anzuwenden, gut schleifbar, perfekt wenn du lackieren willst.
  • Heißluftföhn kann große Flächen glätten, besonders bei PETG – Überhitzung kann Teile ruinieren.
  • Polieren (Polierpaste) ist der letzte Schritt für Spiegelglanz.

Wähle je nach Projekt: Für robuste Funktionsteile reicht Schleifen oft aus; für Show-Modelle lohnt sich eine Kombination aus Schleifen, Epoxid und Polieren. Viele Anfänger schleifen zuerst, tragen dann eine dünne Epoxidschicht für Glanz auf und polieren am Ende. Jeder Zusatzschritt kostet Zeit und Material – überlege also, wie „perfekt“ das Finish wirklich sein muss.

Empfohlene Materialien (Amazon)

Zur Orientierung: Das sind typische Dinge, die du auf Amazon EU für die Nachbearbeitung findest:

  • Mehrkörniges Nass-/Trockenschleifpapier-Set (200–2000 Körnung).
  • Schleifklötze/-schwämme für Rundungen und Kanten.
  • Chemikalienbeständige Nitrilhandschuhe für Lösungsmittel und Harze.
  • Atemschutzmaske mit Organik-/Dampf-Filtern.
  • Schutzbrille zum Schutz der Augen.
  • Epoxidharz-Set (z. B. XTC-3D-ähnliches Brush-on-Epoxid).
  • Einweg-Mischbecher & Pinsel für Epoxid.
  • Heißluftföhn mit einstellbarer Temperatur.
  • Kunststoff-Polierpaste oder feine Polierpaste.
  • Primer-Spray (Kunststoff-/Füllerprimer für Modellbau oder Automotive).
  • Kleinkram: Rührstäbchen, Küchenpapier, Folie als Tischschutz und eine Nadel fürs Entlüften von Blasen.

Für all diese Produkte gibt es EU-Versionen bzw. EU-Versand (je nach Amazon-Land). Eine gute Grundausstattung macht die Arbeit leichter und sicherer: Atemschutz und Handschuhe erlauben dir, Epoxid oder Dampfglätten sicherer zu nutzen – und ein feines Schleifpapier-Set ist bei fast jedem Finish unverzichtbar.

Letzte Tipps

Oberflächen zu verbessern ist ein Schritt-für-Schritt-Prozess. Starte immer mit der sanftesten Methode (Schleifen) und arbeite dich nur bei Bedarf „hoch“. Teste jede Technik zuerst an einem Reststück oder an einer unsichtbaren Stelle. Setze dir realistische Erwartungen: Perfekt glatte, hochglänzende Drucke brauchen Zeit und Geduld.

Am Ende liefern Kombinationen oft die besten Ergebnisse (z. B. schleifen → Harzbeschichtung → polieren). Und denk dran: Sicherheit und Belüftung sind Pflicht. Mit Sorgfalt und etwas Übung können deine PLA- und PETG-Drucke richtig professionell – und sogar glänzend – aussehen, ohne dass du deine Heimwerkstatt verlassen musst.