Das Infill-Muster in deinem 3D-Druck hat einen großen Einfluss auf Festigkeit, Druckzeit und Materialverbrauch. In diesem Leitfaden schauen wir uns fünf beliebte PLA-Infill-Muster an: Lines, Grid, Triangles, Cubic und Gyroid. Wir vergleichen ihre Festigkeit, Geschwindigkeit und typische Einsatzzwecke, damit du für jeden Druck das passende Muster auswählen kannst.
Grundidee: Wie Infill die Festigkeit beeinflusst
Vereinfacht gesagt:
- Mehr Infill = mehr Festigkeit (aber auch mehr Zeit und Filament).
- Besseres Muster = effektivere Festigkeit bei gleichem Prozentsatz.
- Mehr Wände (Perimeter) erhöhen die Festigkeit oft stärker als nur mehr Infill.
Der Trick besteht darin, den Sweet Spot zu finden: ein Muster und einen Prozentsatz, die stabil genug sind, ohne Stunden an Druckzeit und unnötig Filament zu verbrauchen. Für die meisten funktionalen PLA-Drucke sind 20–30% Infill und 3–4 Wände ein sehr guter Ausgangspunkt.
Lines (Rectilinear) Infill
Was es ist: Gerade, parallele Linien in jeder Schicht. In der nächsten Schicht werden die Linien gedreht, aber jede Ebene besteht einfach aus geraden Bahnen.
Lines-Infill ist normalerweise die schnellste und leichteste Option. Der Slicer erzeugt es sehr effizient, und der Drucker muss kaum scharfe Richtungswechsel machen. Ideal für schnelle Prototypen, visuelle Teile oder alles, was keine große Festigkeit benötigt.
- Vorteile: Sehr schnelle Druckzeit, minimaler Filamentverbrauch, einfacher Toolpath.
- Nachteile: Schwach für strukturelle Teile, Festigkeit stark richtungsabhängig, nicht ideal für hohe Lasten.
- Am besten für: Entwürfe, dekorative Modelle, wenig belastete Teile.
Grid Infill
Was es ist: Linien in zwei Richtungen (wie Millimeterpapier). Jede Schicht bildet ein Kreuzmuster.
Grid ist fast so einfach zu drucken wie Lines, aber deutlich stärker. Da sich die Linien kreuzen, widersteht es Belastungen sowohl in X als auch in Y. Dadurch ist es ein gutes „Standard“-Infill für viele Drucke, bei denen du eine Mischung aus vernünftiger Festigkeit + vernünftiger Geschwindigkeit möchtest.
- Vorteile: Stärker als Lines, immer noch recht schnell, leicht zu slicen, gutes Allzweck-Infill.
- Nachteile: Nicht wirklich 3D-stark (schwächer in Z), etwas mehr Filament und Zeit als Lines.
- Am besten für: Alltägliche Funktionsteile, Halterungen, Gehäuse, Spielzeug.
Triangles (und Honeycomb) Infill
Was es ist: Jede Schicht besteht aus sich wiederholenden Dreiecken, die teilweise sechseckige „Honeycomb“-Muster bilden.
Dreiecke sind von Natur aus sehr steif. Dieses Muster verteilt Lasten gleichmäßig und bietet ein sehr gutes Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Beim gleichen Infill-Prozentsatz ist Triangles/Honeycomb meist stärker als Grid.
- Vorteile: Sehr stark und steif; hervorragend für Teile mit Seiten- oder Scherbelastung.
- Nachteile: Etwas langsamer als Grid/Lines; komplexere Pfade; immer noch größtenteils 2D-Struktur pro Schicht.
- Am besten für: Funktionsteile, Werkzeughalter, Rahmen, alles, was hohe Steifigkeit braucht.
Cubic Infill
Was es ist: Ein 3D-Gitter aus Würfeln, oft gedreht oder versetzt, sodass jede Schicht diagonale Linien zeigt.
Cubic-Infill ist darauf ausgelegt, gleichmäßigere Festigkeit in alle Richtungen zu liefern. Statt nur X und Y pro Schicht zu verstärken, entsteht eine echte 3D-Struktur, die in X, Y und Z trägt. Es ist eine gute Wahl, wenn das Teil aus mehreren Richtungen belastet wird.
- Vorteile: Gute Gesamtfestigkeit in alle Richtungen; robust für funktionale Drucke.
- Nachteile: Langsamer und schwerer als einfache Muster; mehr Rechenaufwand beim Slicen.
- Am besten für: Halterungen, Befestigungen, mechanische Teile, allgemeine „Workhorse“-Drucke.
Gyroid Infill
Was es ist: Ein kontinuierliches, wellenförmiges 3D-Muster ohne scharfe Ecken. Es füllt den Innenraum mit einem glatten, „organischen“ Gitter.
Gyroid ist bekannt für seine nahezu isotrope Festigkeit – das bedeutet, die Festigkeit ist in alle Richtungen relativ gleich. Außerdem ist es sehr effizient: Schon bei moderaten Infill-Werten (15–25%) erhält man beeindruckende Stabilität im Verhältnis zum Filamentverbrauch.
- Vorteile: Hervorragendes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis; stark in alle Richtungen; gute innere Unterstützung; sieht cool aus.
- Nachteile: Etwas längere Slice-Zeit; etwas langsamer als Grid/Lines; überdimensioniert für rein dekorative Drucke.
- Am besten für: Stark belastete Teile, tragende Halterungen, RC-Teile, Werkzeuge, alles „Ernsthafte“.
Festigkeit vs. Dichte vs. Geschwindigkeit
Bei der Wahl eines Infill-Musters balancierst du im Grunde drei Dinge:
- Festigkeit – wie viel Last das Teil aushält, bevor es sich verbiegt oder bricht.
- Dichte – welcher Prozentsatz des Inneren gefüllt ist (10%, 20%, 40% usw.).
- Geschwindigkeit – wie lange der Druck dauert und wie viel Filament dabei verbraucht wird.
Ein paar praktische Regeln:
- Von 20% auf 40% Infill zu gehen macht ein Teil spürbar stabiler, aber auch langsamer und schwerer.
- Der Wechsel von Lines → Triangles oder Gyroid kann bei gleichem Prozentsatz einen deutlichen Festigkeitsschub bringen.
- Mehr Wände (Perimeter) sind oft die effizienteste Methode, um die Festigkeit zu erhöhen.
Für viele reale Anwendungsfälle ist es sinnvoller, die Wände auf 3–4 zu erhöhen und 20–30% Infill zu verwenden, statt das Infill auf 80–100% hochzudrehen.
Empfohlene Ausgangswerte (Cheat Sheet)
- Schnelle visuelle Drucke / Prototypen
Muster: Lines oder Grid
Infill: 10–15%
Wände: 2–3
Ziel: wenig Material, schnelle Ergebnisse. - Alltägliche funktionale Teile
Muster: Grid oder Cubic
Infill: 20–30%
Wände: 3–4
Ziel: stabil genug für Halterungen, Gehäuse, Organizer. - Hochbelastete / tragende Teile
Muster: Gyroid oder Triangles
Infill: 40–60% (manchmal mehr)
Wände: 4–5
Ziel: maximale Festigkeit und Haltbarkeit.
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Als Testmodelle kannst du einfache Zugproben, Haken oder Kragarme von STL-Plattformen verwenden. Drucke sie mit unterschiedlichen Infill-Einstellungen, dann biege sie, belaste sie mit Gewichten oder brich sie, um die Unterschiede zu vergleichen.
Abschließende Gedanken
Ja, Infill beeinflusst die Festigkeit – aber nicht alle Muster sind gleich.
- Lines – am schnellsten, am schwächsten, gut für Prototypen.
- Grid – gute Allround-Festigkeit, immer noch recht schnell.
- Triangles / Honeycomb – sehr steif, hervorragendes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis.
- Cubic – solider Allrounder, stark in alle Richtungen.
- Gyroid – ausgezeichnete Festigkeit und Effizienz, ideal für stark belastete Teile.
Kombinierst du ein sinnvolles Infill-Muster mit der richtigen Dichte und genügend Wänden, kann selbst ein einfacher Drucker wie ein Ender 3 oder Prusa Mini überraschend starke PLA-Teile produzieren. Wenn du ein paar Muster auf deinem eigenen Setup testest, wirst du schnell merken, welches zu deinem „Go-to“-Infill für verschiedene Drucktypen wird.