ABS Druck glätten – Methoden, Risiken & perfekte Oberfläche

ABS-Drucke haben oft sichtbare Schichtlinien, matte Stellen oder eine leicht raue Oberfläche. Wenn du daraus ein Teil machen willst, das wie „fast spritzgegossen“ aussieht, führt an Nachbearbeitung kaum ein Weg vorbei. Die gute Nachricht: ABS lässt sich sehr gut glätten – deutlich einfacher als viele andere Filamente.

In diesem Guide bekommst du einen praxisnahen Überblick über die besten Methoden, inklusive Schleifen, Aceton-Dampfglätten (Acetone Vapor Smoothing / „acetone smoothing abs“) und sinnvolle Alternativen. Außerdem zeige ich dir die häufigsten Fehler, Sicherheitsregeln und wann du ABS besser nicht glätten solltest.


Tools & Materialien (Checkliste)

Für Schleifen & Polieren

  • Schleifpapier: 180/240, 320, 400, 600, 800, 1000–2000 (je nach Ziel)
  • Schleifklotz (für flache Bereiche) + Schleifpad/Schwamm (für Rundungen)
  • Optional: Nassschleifpapier + Sprühflasche mit Wasser
  • Optional: Polierpaste für Kunststoff + Mikrofasertuch/Polierschwamm
  • Staubschutz: Maske (bei trockenem Schleifen) + Absaugung/Staubsauger

Für Aceton-Dampfglätten

  • Dicht schließender Behälter (Glas/Metall, nicht leicht entzündlich)
  • Reines Aceton
  • Saugfähiges Tuch/Papier (Aceton-Träger im Behälter)
  • Halterung/Gitter/Draht, damit das Teil nicht im Aceton liegt
  • Nitrilhandschuhe + Schutzbrille
  • Sehr gute Belüftung (idealerweise draußen / Werkstatt mit Durchzug)

Für Beschichtungen & Lackfinish

  • Füller/Primer (Spraydose) + feines Schleifpapier (800–2000)
  • Optional: Epoxid-/3D-Coating (wenn du Schichtlinien „füllen“ willst)
  • Lack/Topcoat nach Wunsch

Warum ABS-Drucke eine raue Oberfläche haben

Die typische „Treppenoptik“ kommt von Schichthöhe und Geometrie. Selbst bei 0,12 mm Layern bleiben bei Rundungen und schrägen Flächen Linien sichtbar. ABS verstärkt den Effekt manchmal, weil:

  • Layer nicht perfekt verschmelzen (Temperatur / Kühlung / Speed)
  • kleine Vibrationen und Riemenspiel sofort sichtbar werden
  • ABS gerne matt druckt, wodurch Kanten optisch stärker auffallen

Die Lösung ist entweder: Oberfläche mechanisch abtragen (Schleifen) oder die äußere Schicht kontrolliert „anlösen“ (Aceton).


ABS Druck glätten: Alle Methoden im Überblick

Je nach Ziel (satin/matt vs. hochglänzend) und Teil (Deko vs. funktional) passt eine andere Methode. Hier sind die gängigsten Wege:

1) Schleifen (ABS Nachbearbeitung ohne Chemie)

Schleifen ist die sicherste Methode und immer eine gute Basis – besonders, wenn du später lackieren willst.

  • Start: 180–240er Körnung (nur wenn Layer deutlich sichtbar sind)
  • Standard: 320 → 400 → 600 → 800
  • Finish: 1000 → 1500 → 2000 (optional)

Tipp: Wenn du sehr sauber arbeiten willst: ab 400er Körnung nass schleifen. Das reduziert Staub, verhindert „Zuschmieren“ und ergibt ein gleichmäßigeres Ergebnis.

2) Polieren

Polieren bringt Glanz, funktioniert aber am besten nach feinem Schleifen. Kleine Flächen gehen mit Polierpaste und Mikrofasertuch, größere mit Polierschwamm (vorsichtig, niedrige Drehzahl).

Wichtig: Zu viel Wärme kann ABS weich machen. Also lieber mehrere leichte Durchgänge als aggressiv reindrücken.

3) Aceton-Dampfglätten (Acetone Vapor Smoothing / acetone smoothing abs)

Das ist die Methode, wenn du richtig glatte, glänzende Oberflächen willst. Dabei lösen Acetondämpfe die äußerste Schicht ganz leicht an. Schichtlinien „fließen“ optisch zusammen – das Teil wirkt wie aus einem Stück.

4) Beschichtungen (Epoxid, Primer/Filler)

Wenn du ohne Lösemittel arbeiten willst oder die Form absolut stabil bleiben muss, sind Beschichtungen top:

  • Epoxid-Beschichtung: füllt Linien, wird sehr hart, super für Lackfinish
  • Füller/Primer: sprühen → trocknen → fein schleifen → wiederholen

5) Heißluft (nur für Geübte)

Mit Heißluft kann man die Oberfläche minimal „anwärmen“, aber das Risiko ist hoch: Kanten werden weich, Details laufen zu, das Teil kann sich verziehen. Für Anfänger eher nicht die erste Wahl.


Schritt-für-Schritt: ABS mit Aceton sicher glätten

Wenn du ABS Oberfläche glätten willst und ein Hochglanz-Finish suchst, ist Acetondampf oft die effektivste Lösung. Hier eine sichere, kontrollierbare Vorgehensweise:

Was du brauchst

  • Ein dicht schließender Behälter (z.B. Glas- oder Metallbehälter mit Deckel)
  • Etwas Aceton (reines Aceton, nicht „irgendwas mit Aceton“)
  • Saugfähiges Tuch/Papier (für Aceton im Behälter, nicht direkt auf dem Teil)
  • Eine Halterung, damit das Teil nicht im Aceton liegt (z.B. Gitter, Draht, Glas)

⚠️ Sicherheitswarnung (bitte ernst nehmen)

  • Aceton ist hoch entzündlich. Keine Flammen, keine Zündquellen, keine Heizplatte ohne Schutzkonzept.
  • Nur in sehr gut belüfteter Umgebung arbeiten (am besten draußen oder in Werkstatt mit Durchzug).
  • Schutzbrille + Nitrilhandschuhe verwenden.
  • Dämpfe nicht einatmen. Kinder/Haustiere fernhalten.

So läuft es ab

  1. Teil vorbereiten: Support entfernen, Oberfläche reinigen, optional leicht vorschleifen (z.B. 320–400).
  2. Behälter vorbereiten: Tuch an den Rand/unteren Bereich legen, etwas Aceton darauf geben (nicht übertreiben).
  3. Teil platzieren: So aufhängen/stellen, dass es nicht das Tuch oder Aceton berührt.
  4. Deckel zu: Kurz warten und beobachten. Lieber kurze Sessions als eine lange.
  5. Stoppen: Wenn die Oberfläche sichtbar „nass/glänzend“ wird, sofort beenden.
  6. Aushärten lassen: Teil in Ruhe auslüften lassen, bis es komplett trocken und nicht mehr weich ist.

Pro-Tipp: Wenn du unsicher bist: mach zuerst Tests mit einem kleinen Probeteil. Aceton ist stark – weniger ist oft mehr.


Häufige Fehler beim ABS Glätten (und wie du sie vermeidest)

  • Zu lange Dampfzeit: führt zu „Matsch-Optik“, verwaschenen Details oder Verzug.
  • Teil liegt im Aceton: das ist kein Glätten mehr, das ist Auflösen. Immer Abstand halten.
  • Ungleichmäßige Dämpfe: bei schlechten Behältern wird es unten stärker als oben. Teil frei „schweben“ lassen.
  • Zu früh anfassen: Oberfläche kann sich eindrücken. Lieber länger auslüften.
  • Falsche Handschuhe: Nitril statt Latex – Latex kann sich anlösen.

Wann du ABS nicht glätten solltest

Glätten ist super für Optik – aber nicht immer sinnvoll. Lass es lieber, wenn:

  • Passungen exakt sein müssen (z.B. Steckverbindungen, Gewinde, Präzisionsteile)
  • Feine Details wichtig sind (Text, Logos, kleine Strukturen)
  • Mechanische Festigkeit kritisch ist (chemisches Glätten kann Oberflächenstruktur verändern)
  • Das Teil später geklebt werden soll (glänzende Oberflächen können die Haftung verschlechtern)

ABS vs. PLA vs. TPU: Glätten im Vergleich

Viele suchen nach „Glätten“ als Universal-Trick – aber die Materialien spielen nicht gleich mit:

  • ABS: ideal für Aceton-Dampfglätten, kann sehr glatt und glänzend werden.
  • PLA: reagiert nicht sinnvoll auf Aceton; eher schleifen, grundieren, füllen, lackieren.
  • TPU: flexibel, schwer zu schleifen, chemisch meist resistent; eher Druckeinstellungen optimieren statt Nachbearbeitung erzwingen.

FAQ: ABS Druck glätten

Wie lange muss ABS im Aceton-Dampf bleiben?

So kurz wie möglich. Starte mit sehr kurzen Sessions und beobachte die Oberfläche. Sobald sie sichtbar glänzend und „leicht nass“ wirkt, stoppst du. Mehrere kurze Durchgänge sind kontrollierbarer als ein langer.

Kann ich ABS mit Aceton auch punktuell glätten?

Ja, aber es ist schwieriger gleichmäßig hinzubekommen. Für kleine Stellen ist feines Schleifen + Polieren oft besser. Wenn du punktuell mit Aceton arbeitest, kann es zu Übergängen oder Flecken kommen.

Wird ABS nach dem Glätten schwächer?

Es kann sich verändern – vor allem an sehr dünnen Bereichen oder bei zu langer Einwirkzeit. Für hochbelastete Funktionsteile solltest du erst testen oder eher Schleifen/Primer nutzen.

Warum wird mein Teil beim Dampfglätten klebrig oder weich?

Das ist ein Zeichen für zu starke Einwirkung. ABS wird an der Oberfläche angelöst. Wenn es zu weich wird, war die Dampfzeit zu lang oder die Dampfkonzentration zu hoch. Sofort stoppen und vollständig auslüften lassen.

Kann ich PLA genauso glätten?

Nicht auf die gleiche Art. PLA reagiert kaum auf Aceton. Für PLA sind Schleifen, Füller/Primer, Epoxid-Beschichtung und Lack meist der bessere Weg.

Was ist die sicherste Methode für Anfänger?

Schleifen (ggf. Nassschleifen) + Primer/Filler + feines Nachschleifen. Das ist kontrollierbar, sicherer als Lösemittel und führt zuverlässig zu glatten Ergebnissen.


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