Ist Filament trocknen wirklich notwendig? Nass vs. Trocken – Drucktests (PLA & PETG)

Filament zu trocknen ist eines dieser Einsteiger-Themen, das nach „Extra-Aufwand“ klingt … bis du einen Druck siehst, der voller Fäden ist, Blasen wirft oder eine komische, raue Oberfläche hat. Sowohl PLA als auch PETG können mit der Zeit Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen. Wenn diese Feuchtigkeit auf eine heiße Düse trifft, verdampft sie schlagartig zu Dampf – und kann die Extrusion, die Oberfläche und manchmal sogar die Festigkeit beeinflussen. Dieser Artikel erklärt, was dabei wirklich passiert, was echte „nass vs. trocken“-Tests zeigen und wie du Filament sicher trocknest, ohne dein Setup unnötig zu verkomplizieren.

Warum Filament Wasser aufnimmt

Die meisten gängigen 3D-Druck-Kunststoffe sind hygroskopisch – das heißt, sie ziehen langsam Wasserdampf aus der Luft. Auf der Spule sieht man das meist nicht, aber im Inneren des Filaments wird diese Feuchtigkeit sehr wichtig, sobald das Material erhitzt wird.

Wenn nasses Filament durch eine Düse gedrückt wird (typischerweise 200–250°C), wird das aufgenommene Wasser sehr schnell zu Dampf. Dieser Dampf kann verursachen:

  • Mikro-Bläschen im Extrusionsstrang
  • Pitting (winzige Löcher) und eine raue Oberflächenstruktur
  • Unruhigen Fluss (inkonsistente Extrusion)
  • Schwächere Schichthaftung in manchen Fällen

Einfach gesagt: Feuchtigkeit macht aus einem sauberen Kunststofffluss eine blubbernde, schaumige Angelegenheit.

Wie sich nasses Filament in echten Drucken zeigt

Nasses Filament „scheitert“ nicht immer dramatisch. Oft macht es Drucke einfach hässlicher und weniger zuverlässig. Häufige Symptome sind:

  • Knacken / Ploppen / Zischen beim Drucken (Dampf entweicht)
  • Mehr Stringing und feine „Härchen“ zwischen Teilen
  • Raue oder matte Oberfläche statt glatt/glänzend
  • Kleine Beulen oder Pickel auf den Außenwänden
  • Schwächere Details (Ecken und Text wirken weicher)
  • Sprödes Filament, das auf der Spule leichter bricht (manchmal)

Diese Probleme fallen meist besonders auf bei langen Retracts, kleinen Türmchen, Bridges und dünnen Wänden.

Nass vs. Trocken: Was andere Tests gezeigt haben

Viele Creator haben „Vorher/Nachher“-Tests gemacht. Das Muster ist ziemlich konsistent:

  • PLA: druckt oft noch „okay“, selbst wenn es leicht feucht ist – zeigt aber häufiger Stringing und eine etwas schlechtere Oberfläche
  • PETG: reagiert deutlich negativer auf Feuchtigkeit – mehr Stringing, rauere Oberflächen und manchmal schwächere Schichthaftung

PLA: Nass vs. Trocken

In vielen Praxistests sind die Unterschiede bei PLA eher subtil, außer das Filament ist wirklich stark feucht oder wurde sehr schlecht gelagert. Häufig berichtete „nasse PLA“-Anzeichen:

  • Leicht mehr Stringing
  • Mehr Oberflächen-„Fussel“ und kleine Blobs
  • Unregelmäßigere Extrusion bei feinen Details

Trotzdem kann PLA über die Zeit genug Feuchtigkeit ziehen, um sichtbaren Qualitätsverlust zu verursachen – besonders in feuchten Räumen oder wenn es wochenlang offen liegt. PLA zu trocknen verbessert oft:

  • Sauberere Retracts
  • Oberflächenqualität
  • Zuverlässigkeit bei langen Drucken

PETG: Nass vs. Trocken

PETG zeigt meist einen viel größeren Unterschied zwischen „nass“ und „trocken“. In mehreren Tests hat feuchtes PETG häufig produziert:

  • Starkes Stringing (teils „Spinnennetz“-Level)
  • Matte, raue oder „satinartige“ Oberfläche statt glatt und glänzend
  • Kleine Hohlräume/Bläschen, die in den Wänden sichtbar sind
  • Manchmal schlechtere Schichthaftung (sprödere Drucke)

Wenn du PETG gedruckt hast und dachtest „warum ist das so fädig?“, ist Feuchtigkeit eines der ersten Dinge, die du prüfen solltest.

Schnell-Check: Ist mein Filament feucht?

Wenn du 2–3 dieser Punkte gleichzeitig siehst, lohnt sich Trocknen fast immer:

  • Ploppen/Zischen beim Extrudieren
  • Plötzliches neues Stringing bei Einstellungen, die früher funktioniert haben
  • Raue Außenwände / kleine Pits
  • Inkonsistente Extrusion (wirkt „schäumig“)
  • Transparentes Filament wird trüb oder milchig

PLA und PETG trocknen (einsteigerfreundlich)

Du brauchst kein teures Equipment. Du brauchst nur kontrollierte, niedrige Wärme über mehrere Stunden. Hier sind die gängigsten, anfänger-sicheren Optionen.

Option 1: Filament-Trockner (am einfachsten + am konstantesten)

Ein Filament-Trockner ist der simpelste Weg: Temperatur einstellen, warten, drucken. Viele Geräte können auch während des Druckens trocknen und das Filament direkt zuführen – das hilft besonders bei PETG, während langer Druckjobs stabil zu bleiben.

Typische Trocknungsbereiche:

  • PLA: ca. 45–55°C für 4–6 Stunden
  • PETG: ca. 55–65°C für 4–6 Stunden

Wenn die Spule sehr feucht ist (wochenlang offen oder in einem feuchten Schuppen/Garage gelagert), erhöhe lieber die Zeit statt die Temperatur.

Option 2: Dörrautomat (Top Preis-Leistung)

Ein Dörrautomat ist beliebt, weil er gleichmäßige, niedrige Wärme und Luftstrom liefert. Oft ist er sicherer und gleichmäßiger als ein Backofen.

Typische Trocknungsbereiche:

  • PLA: ca. 45–55°C für 4–6 Stunden
  • PETG: ca. 55–65°C für 4–8 Stunden

Option 3: Backofen (funktioniert, aber Vorsicht)

Ein Backofen kann funktionieren, ist aber die riskanteste Methode, weil viele Öfen die Zieltemperatur überschreiten. Wenn du es so machst:

  • Wenn möglich ein Ofenthermometer verwenden
  • Die niedrigste stabile Temperatur wählen, die dein Ofen halten kann
  • Nicht stundenlang weggehen, ohne zu kontrollieren
  • Die Spule nicht an Heizelemente kommen lassen

Wenn dein Ofen nicht zuverlässig unter ca. 65°C bleibt, lass diese Methode besser aus. Überhitzung kann das Filament erweichen und die Spule verformen.

Option 4: Luftdichte Lagerung + Trockenmittel (Vorbeugung)

Silikagel und luftdichte Lagerung retten eine sehr nasse Spule nicht schnell – aber sie verhindern, dass das Problem zurückkommt. Best Practices:

  • Filament in luftdichten Boxen oder Vakuumbeuteln lagern
  • Silikagel-Packs hinzufügen (ersetzen oder regenerieren, wenn gesättigt)
  • Spulen geschlossen halten, wenn du nicht druckst

Also … ist Trocknen wirklich notwendig?

Für PLA

Manchmal. PLA ist verzeihender. Wenn dein PLA sauber druckt und du kein Ploppen hörst oder Blasen/Stringing siehst, kannst du das Trocknen oft ignorieren. Wenn PLA aber lange offen lag (besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit), kann Trocknen die Konsistenz und Oberfläche spürbar verbessern.

Für PETG

Meistens ja. PETG ist in der Praxis deutlich feuchtigkeitsempfindlicher. Wenn du saubere Wände, minimale Fäden und zuverlässige Ergebnisse willst, ist PETG-Trocknung oft der Unterschied zwischen „nervige Drucke“ und „easy mode“.

Empfehlung für Anfänger (einfache Routine)

  • PLA: luftdicht mit Trockenmittel lagern; nur bei Symptomen trocknen
  • PETG: luftdicht lagern und regelmäßiger trocknen (vor allem nach längerer Offenlagerung)
  • Wenn eine Spule wochenlang in einem feuchten Raum offen war: vor einem langen Druck trocknen

Wenn du Druckqualität troubleshootest, ist Trocknen eine der günstigsten „First Fixes“, die du probieren kannst, bevor du ein Dutzend Slicer-Einstellungen änderst.