Die erste Schicht richtig hinzubekommen ist entscheidend – sie ist das Fundament deines Drucks. Wenn diese Schicht gut haftet und schön flach ist, baut sich der Rest des Modells meist problemlos auf. Wenn nicht, bekommst du Warping, hochgezogene Ecken oder der Druck scheitert direkt am Anfang. Beim PLA sind die Hauptursachen meistens: ein nicht korrekt geleveltes Bett, ein falscher Düsenabstand oder ungeeignete Temperaturen. Sobald diese Basics stimmen, haftet PLA in der Regel ohne großes Drama.
Düsenhöhe einstellen (der „Drück’s mehr rein“-Mythos)
Vielleicht hast du schon gehört: „Dreh einfach die Bettknöpfe, bis das Filament richtig hart ins Bett gequetscht wird.“ Ein bisschen „Squish“ ist gut – er hilft, dass das heiße PLA an der Oberfläche anbindet. Zu viel Squish ist aber schlecht: Die Düse schiebt dann durch das Material, es entstehen raue, geriffelte Linien oder „Zahnpasta“-Blobs.
In der Praxis ist das Ziel ein Düsenabstand, der „genau richtig“ ist. Der Klassiker: Ein sauberes Blatt Papier unter die Düse an jeder Ecke schieben – es soll leicht kratzen, sich aber noch bewegen lassen. Der ideale Abstand ist nahezu null, ungefähr die Dicke eines Haares. Für mehr Präzision kannst du statt Papier auch eine Fühlerlehre verwenden.
Wenn das passt, siehst du eine schön leicht abgeflachte erste Schicht, die fest haftet, ohne komplett plattgedrückt zu sein. Wenn du Filamente wechselst, level nicht jedes Mal neu mit „dickem Papier“ – stell lieber die First-Layer-Höhe bzw. den Z-Offset im Slicer fein nach. Der mechanische Z-Offset selbst sollte normalerweise konstant bleiben.
Druckgeschwindigkeit und Kühlung
Ein häufiger Tipp: Die erste Schicht langsam drucken. Das ist tatsächlich ein guter Rat – eine niedrigere Geschwindigkeit (ca. 20–40 mm/s) gibt dem geschmolzenen PLA mehr Zeit, am Bett zu haften. Eine reduzierte First-Layer-Speed ist eine der zuverlässigsten Maßnahmen gegen Haftungsprobleme.
Auch die Kühlung spielt eine Rolle. PLA haftet oft besser, wenn der Bauteillüfter in der ersten Schicht aus ist oder sehr niedrig läuft. Zu viel Kühlung lässt das heiße Plastik schnell schrumpfen – das kann Curling oder Wellen („Ripples“) verursachen. Versuch für Layer 1 etwa 0–20% Lüfter.
Betttemperatur
Bei PLA hilft ein beheiztes Bett deutlich. Ein guter Startwert ist 60 °C. PLA haftet meist gut bei 50–60 °C, und du kannst bei hochgehenden Ecken langsam auf ~65 °C erhöhen. Wenn du Warping siehst, steigere die Temperatur schrittweise.
Vorsicht: Über ~70 °C können die unteren Schichten weich werden und eine „Elefantenfuß“-Wulst erzeugen. Eine sichere Kombi für viele Drucker ist: 60 °C Bett und 200–215 °C Düse.
Haftmittel verwenden (Kleber, Tape, Haarspray)
Du hast bestimmt schon gehört: „Nimm Klebestift“ oder „Sprüh Haarspray aufs Bett!“ Solche Haft-Hilfen können auf glatten Oberflächen wie normalem Glas helfen. Eine dünne Schicht PVA-Kleber, Klebestift oder ein leichter Haarspray-Nebel kann die Haftung verbessern.
Auch blaues Malerkrepp (Painter’s Tape) ist beliebt. Es erzeugt eine leicht raue Oberfläche, an der PLA gut „greift“. Es ist günstig und anfängerfreundlich.
Moderne Oberflächen wie strukturiertes PEI brauchen jedoch oft gar keine Haftmittel. Kleber sollte eher Backup sein – nicht die Standardlösung.
Die besten Druckoberflächen für PLA
Strukturierte PEI-Federstahlplatte
Eine strukturierte PEI-beschichtete Federstahlplatte ist eine der besten Oberflächen für PLA. Sie bietet sehr gute Haftung im warmen Zustand und lässt den Druck nach dem Abkühlen meist leicht lösen.
Upgrade-Beispiel:
Flexible PEI-Federstahl-Druckplatte
(wähle die passende Größe für deinen Drucker).
Glasbett
Glas ist sehr plan und liefert eine glänzende Unterseite. Reinige es gründlich mit Spülmittel oder Isopropanol, heize es auf etwa 60 °C – dann haftet PLA meist gut. Manche nutzen zusätzlich eine dünne Schicht Klebestift für extra Grip.
Blaues Malerkrepp
Blaues Malerkrepp ist simpel und effektiv. Bett damit abkleben, Blasen glattstreichen, drucken. Es muss regelmäßig ersetzt werden, funktioniert aber sogar auf unbeheizten Betten.
Tools und Tipps fürs Bed-Leveling
Papier / Fühlerlehre
Der Papier-Test funktioniert, aber mit einer präzisen Fühlerlehre bekommst du oft gleichmäßigere Ergebnisse.
Empfohlenes Tool:
Fühlerlehren-Set
(ideal für einen präzisen Düsen–Bett-Abstand).
Auto Bed Leveling (ABL)
Auto-Leveling-Sensoren (z. B. BLTouch oder CR-Touch) reduzieren den manuellen Aufwand. Sie tasten das Bett ab und erstellen ein Mesh, das Unebenheiten ausgleicht. Viele Drucker wie Prusa oder Bambu haben ABL bereits ab Werk.
Bed-Leveling-Upgrades
Hilfreiche Upgrades sind zum Beispiel:
- Silikon-Leveling-Spacer/Federn
- Große Metall-Rändelmuttern (Thumb Nuts)
- Anti-Backlash-Leveling-Muttern
Upgrade-Kit-Beispiel:
Bed-Leveling-Kit für Ender-Style-Drucker
Alles zusammenbringen
Eine gute erste PLA-Schicht ist ein glattes, gleichmäßiges „Band“ aus Kunststoff, das stark an der Oberfläche haftet. Konzentrier dich auf die Grundlagen:
- Bett leveln mit einem dünnen, konstanten Abstand (Papier oder Fühlerlehre).
- 60 °C Bett und 200–215 °C Düsentemperatur nutzen.
- Erste Schicht langsamer drucken und nur wenig kühlen.
- Eine zuverlässige Oberfläche verwenden (strukturiertes PEI oder sauberes Glas).
Wenn diese Basics sitzen, bekommst du konstant starke erste Schichten und deutlich weniger Fehldrucke. Ist alles einmal sauber eingestellt, wird PLA extrem unkompliziert – und deine Erfolgsquote geht spürbar nach oben.